Jason Kahn 
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Klangturm Catalog
Interviewed by Alfred Pranzl
for the sound installation "Dropped from the Sky"
Klangturm
St. Pölten, Austria
March 2001
http://klangturm.at

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Alfred Pranzl:
Sie waren früher Schlagzeuger und haben unter anderem bei der Gruppe "Universal Kongress Of" gespielt. Demgegenüber stellt Ihre Arbeit am Computer eine enorme Veränderung dar. Ihre CD Analogues, die 2000 erschienen ist, verbreitet eine angenehm leise Grundstimmung. Sind die Ausgangstöne für Ihre Komposition "Dropped From the Sky" im Klangturm ähnlich ruhig?

Jason Kahn:
Einige Sounds haben einen ähnlichen Charakter wie diese Aufnahme. Doch das Prinzip der Wiederholung, der Repetition also, spielt für die aktuelle Arbeit im Klangturm nicht eine so grosse Rolle. Hier interessieren mich mehr Mikro-Events, die auftauchen und wieder verschwinden. Die Basis-Aufnahmen, die in Form von Soundfiles gesammelt werden, kommen von Aufnahmen aus St. Pölten und Umgebung, vom Klangturm selbst und von lokalen Radios. Die vierte Gruppe von Klängen entsteht aus der digitalen Bearbeitung dieser Aufnahmen, aus einem Verfahren, das Livesampling und -processing genannt wird, sowie aus neuen Files, die spontan im Klangturm gemacht werden. Das ist während der gesamten Aufführungsdauer meiner Musik, die immerhin rund sechs Wochen zu hören ist, möglich. Denn über Bewegungssensoren können die Sounds ihre Position von Klangkugel zu Klangkugel wechseln.
Die Lösung der aussergewöhnlichen technischen Aufgaben vor Ort muss wohl direkt im Tonstudio des Klangturms geschehen. Spannend wird die Umlegung der vorpräparierten Sounds auf akustische Gegebenheiten des Klangturms. Immerhin sind drei verschiedene Zonen zu bespielen. Deshalb ist das Studio sehr wichtig. Dort verwende ich die vorhandene Yamaha-dme-32-Sound-Matrix. Mit diesem Gerät können die Sounds, die aus dem Computer kommen, in den drei Etagen verteilt und in Bewegung versetzt werden. Wie die Sensoren, der Computer und die Soundmatrix am Aussührungsort zusammenwirken, ist von weitaus grösserer Bedeutung als die Arbeit, die zuhause am Laptop erfolgt.


Alfred Pranzl:
Wie sehr hat die Klangturm-Architektur Auswirkungen auf Ihre Komposition?

Jason Kahn:
Nicht die Architektur an sich, sondern die geografische Verortung des Turms im Regierungsviertel berührt mich. Mir ist ein tief sch¸rfendes Gefühl der Entfremdung und des Verworfenseins in Erinnerung. Steigt man die Treppen des Klangturms hinauf und sieht dabei die landschaftliche Umgebung, dann realisiert man, wie wenig der Klangturm oder das Regierungsviertel mit St. Pölten oder den umliegenden Orten zu tun haben. Meine Annäherung erfolgt also, indem ichAu?enaufnahmen, so genannte Field Recordings, und Radiogeräusche (der Klangturm schaut wie ein gro?er Radiosender aus) benutze, um das Displacement, das dieses Gebäude repräsentiert, widerzuspiegeln.


Alfred Pranzl:
Was bedeutet für Sie elektronische Musik im Gegensatz zur Musik, die Sie als Drummer machten?

Jason Kahn:
Für mich gibt es eigentlich keinen Unterschied, ob ich nun elektronische Musik mache oder in einer Band spiele. Die Musik kommt immer noch von mir. Sie hat meine asthetik. Ich glaube auch nicht, dass elektronische Musik mehr Möglichkeiten offenbart. Praktisch gedacht ist es natürlich einfacher, Musik am Computer zu machen, weil man das Power-Book viel leichter herumtransportieren kann. Andererseits macht das manchmal ein bisschen einsam. Ich versuche den Sound des Drumsets zu erweitern und benutze dafür die Digitaltechnologie als Werkzeug. Ich mische elektronische und akustische Sounds bis zu einem Punkt, an dem Hörer nicht mehr wissen, woher sie kommen. Der Laptop erlaubt mir, die Files von akustischen Instrumenten, von Field Recordings und von computergeneriertem Sound zusammenzusetzen. Das Resultat wirdheute gerne als Komposition ausgewiesen.

 

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